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Bild: Inna rempel

Wer wir sind

Ein Beispiel : Einladung zum Zukunftstag

 "Wir können keine neuen Kontinente entdecken, wenn wir Angst haben, die Küste aus den Augen zu verlieren" (Andre Gidé). In großen Lettern prangt das Zitat an der Wand des Gemeindehauses.

1.2

Über 50 Menschen sind der Einladung zum Zukunftstag gefolgt und tauschen sich über positive Erfahrungen, Wünsche und Kirchenträume aus. Ein angeregtes Stimmgewirr erfüllt den Raum. 

Vorausgegangen war eine Debatte im Kirchenvorstand. „Wir haben eine Fülle von guten, unterschiedlichen Angeboten – aber wo ist denn hier der rote Faden?“, fragt eine junge Kirchenvorsteherin. „Um den herauszufinden, müssen wir in die Zukunft blicken“, entgegnet ein anderer. „Unser Ort und damit auch unsere Gemeinde wird kleiner. Wir können nicht mehr einfach so weitermachen, wie früher.“ „Das stimmt. Aber worauf sollen wir uns konzentrieren?“ Ein Moment herrscht Ratlosigkeit. „Wie sieht es denn mit unseren Träumen für unsere Gemeinde aus. Habt ihr eine Vorstellung, wo wir in fünf Jahren stehen wollen?“ Sofort kommt ein Einwand: „Kirche ist doch kein Wunschkonzert. Wir haben einen Auftrag. An dem müssen wir uns orientieren.“ „Und wie würdest du diesen Auftrag formulieren?“ …

1.3

Der Kirchenvorstand beschließt, die grundlegenden Fragen nach dem konkreten Auftrag und einem wegweisenden inhaltlichen Profil im Rahmen einer Leitbildentwicklung anzugehen. Mit Hilfe der Gemeindeberatung werden die Rahmenbedingungen für diesen Prozess geklärt. Dabei wird schnell klar, dass eine breite Beteiligung über den Kirchenvorstand hinaus gewünscht wird. Bei einer kleinen Projektgruppe laufen die Fäden zusammen. Auf einem Zukunftstag tauschen sich über 50 Personen aus dem Kreis der bislang Engagierten und neu Interessierten über ihre Träume und Vorstellungen von Gemeinde aus. Die inspirierende Atmosphäre setzt eine tolle Dynamik frei. Biblische Texte werden mit eigenen Bildern in Beziehung gebracht, zentrale Begriffe festgehalten, erste Textbausteine formuliert. Der Kirchenvorstand sorgt für den redaktionellen Feinschliff und beschließt die endgültige Fassung. Im Rückblick erscheint der gemeinsame Prozess mindestens so wichtig wie die das formulierte Leitbild. Denn es ist deutlich geworden, wovon Kirche vor Ort lebt: von der Vielfalt der Menschen, die der Kirche ihr Gesicht geben und ein gemeinsames Wir gestalten. So wird ein Aufbruch in die Zukunft möglich, der Neues wagt.

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1.1

Leitbild und Auftrag

 „Wer den Hafen nicht kennt, für den ist kein Wind ein günstiger“ (Seneca). Um Veränderung in den Gemeinden nicht nur zu erleiden, sondern aktiv zu gestalten, sind zielorientierte Prozesse notwendig, die einer klaren Vision folgen. Was ist unsere Aufgabe als Kirche vor Ort? Wofür sind wir da? Was macht das Besondere unserer Gemeinde aus? Die Arbeit an einer gemeinsamen Vision steckt den weiten Horizont der Zukunft ab und gibt zugleich Aufschluss über leitende Motive und innere Bilder. Ein Leitbild bzw. leitende Sätze der Gemeinde haben die Funktion, nach innen diese gemeinsame Identität zu formulieren und nach außen für Erkennbarkeit zu sorgen. Die Arbeit in der Gemeinde bzw. einer Region gewinnt ein klareres inhaltliches Profil und wird auf Zukunft ausgerichtet.

Visionsentwicklung und Leitbildprozesse können zwar von außen angestoßen und begleitet werden, leben aber im Blick auf ihren Verlauf und ihre Nachhaltigkeit von der Dynamik der Beteiligten. Für das Gelingen von Prozessen ist eine breite Beteiligung entscheidend.

Für die Begleitung von Visionsentwicklung und Leitbildprozessen stehen in der Landeskirche sachkundige Personen zur Verfügung.